| 'Skandal' im Seminar |
| Samstag, den 15. November 2008 um 00:00 Uhr |
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 Der 'Skandal', der eigentlich keiner war.  Eigentlich war der einzige damals vorhandene 'Skandal' (ausgenommen natürlich die vorgefundenen Kinderpornos) die homophobe Einstellung der katholischen Kirche. Denn eigentlich sollte es - wenn die katholische Kirche ihre mittelalterlichen Dogmen 'ein Priester lebt ohne fleischliche Gelüste' tatsächlich ernst nimmt - ja unerheblich sein, ob ein Priester seine 'zu verdrängenden Fleischesgelüste nicht mit einem Mann oder nicht mit einer Frau auslebt'. Trotzdem: der Vatikan sieht es anders. Kürzlich wurde ein Ansinnen des Papstes veröffentlich, hinkünftig Priesteramtsanwärter auf 'eventuell versteckte, homosexuelle Neigungen hin' zu überprüfen. Wie diese 'Überprüfung' von statten gehen solle, wurde nicht bekannt gegeben. Egal. So offen wie ein mündiger Staatsbürger sieht es die katholische Kirche nicht: Damals (wie heute) waren die bei 'mehreren damaligen Seminaristen tatsächlich vorliegenden homosexuellen Neigungen' (Originalwortlaut Klaus Küng) für die Katholische Kirchenführung eben ein Skandal.  Was hat sich tatsächlich im Priesterseminar zugetragen?  Der 'Sex Skandal im Priesterseminar St. Pölten' sorgte international im Jahr 2004 für große Aufregung, erinnerte sie doch stark an den Spruch 'Wasser predigen und Wein trinken'. Nach Zeugenaussagen sollen die damaligen Schulleiter, Regens, Prälat Ulrich Küchl und Subregens, Dr. Wolfgang Rothe, sowie andere Beteiligte homosexuelle Kontakte zu Studenten gepflegt haben. Auch entsprechende Fotos, die die beiden in engem Kontakt mit (volljährigen!) Schülern zeigten, sind aufgetaucht. Auf den Computern des Priesterseminars wurden aber kinderpornografische Dateien gefunden. Küchl und Rothe wurden von all ihren Ämtern enthoben, sahen sich jedoch als Opfer einer beispiellose Medienkampagne und klagten das österreichische Nachrichtenmagazin Profil auf Richtigstellung und angemessene Entschädigung. Das Gericht wies jedoch in einem Urteil vom September 2005 die Klage ab und stellte fest, dass es sehr wohl homosexuelle Beziehungen im Priesterseminar gegeben hätte. Das Nachrichtenmagazin wurde freigesprochen. Auch der Vatikan bestätigte die Suspendierung der beiden heuer im April.  Was geschah mit den damals Beteiligten?  Der polnische Priesteramtsanwärter Piotr Zarlinski, der (einzig gefundene) Schuldige an den homosexuellen und kinderpornografischen Fotos auf den Computern des Seminars, wurde rechtsgültig zu einer Bewährungsstrafe von einem halben Jahr verurteilt. Ulrich Küchl (65), zuletzt als Propst und Pfarrer von Eisgarn und Eggern (NÖ) tätig, trat im April 2008, nach der Entscheidung des Vatikans, in der Diözese St. Pölten seinen Ruhestand an. Wolfgang Rothe hingegen wurde aller Ämter, die er weiterhin in der Diözese St. Pölten innehatte, enthoben und kehrte wieder an seinen Ursprungsort zurück. Für Überraschung sorgte die Meldung, dass er seitdem in einem Altenheim der Münchner Pfarrei St. Michael (Perlach) seinen Dienst als Seelsorger versehen soll. Der damalige Bischof Kurt Krenn (72), der diese Angelegenheit als 'Bubendummheit' verteidigt hatte, wurde vom zwischenzeitlich verstorbenen Papst Johannes Paul II durch den Feldkirchner Diözesanbischof Klaus Küng zuerst als Apostolischer Visitator entmachtet und schlußendlich ersetzt. Er befindet sich seitdem 'im Ruhestand'. Der neue Diözesanbischof Klaus Küng (68) ist weiterhin in St. Pölten aktiv und lässt keine Gelegenheit aus, gegen Homosexuelle und insbesondere die Homo-Ehe zu wettern. Für Küng bedeutete dies einen beispiellosen Karrieresprung von der (nach Pfarren) kleinsten Diözese Feldkirch (124) zur drittgrößten Diözese Österreichs, St. Pölten (424).  Der Wahrheit die Ehre?  Über den 'Skandal von St. Pölten' ist zwischenzeitlich ein Buch mit dem Titel: 'Der Wahrheit die Ehre?' erschienen, in dem der Autor Reinhard Dörner den Fall nochmals aufarbeitet. So behauptet der Autor, Küng hätte es von Anfang an nur darauf abgesehen gehabt, Krenn als Diözesanbischof zu beerben. Er hätte in Wirklichkeit 'nach der Wahrheit gar nicht gründlich genug suchen wollen'. Natürlich verurteilte Küng (und auch Krenn) das Buch scharf, wobei der Hauptangriffspunkt Küngs gegen das Buch die Tatsache zu sein scheint, dass 'bei der Darlegung des sogenannten Pornographie-Skandals des St. Pöltner Priesterseminars immer wieder verschwiegen werde, dass es sich bei den in den von der Polizei im Rahmen der Hausdurchsuchung konfiszierten Computern, Fotoapparaten und DVDs gefundenen Abbildungen vorwiegend um homosexuelle Pornographie' gehandelt hätte. 'Dies', so Küng, sei 'zwar nach österreichischem Strafrecht (Anm.d.Red: offenbar lt. Küng 'leider') irrelevant, aber trotzdem verwerflich. Außerdem', so Küng weiter mit seinen Ausführungen zur Verwerflichkeit von Homosexualität, 'sei es ein wichtiger Hinweis auf die bei mehreren damaligen Seminaristen tatsächlich vorliegenden homosexuellen Neigungen'.  Das Buch (Verlag: Kardinal-von-Galen-Kreis) ist im Fachhandel erhältlich.   Bild: 'Der Wahrheit die Ehre'  |

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