| Gigantomanie |
| Dienstag, den 05. Januar 2010 um 01:00 Uhr |
|
Â
 Seit 2004 wurde an dem gigantischen Turm gearbeitet: 850 Pfähle, bis zu 55 Meter tief in den Wüstenboden getrieben, tragen heute eine Last von 330.000 Kubikmetern Beton und 31.400 Tonnen Stahl. Ein Problem stellte hingegen die Edelstahlfassade dar, darf sich diese doch in der heißen Wüstensonne nicht zu stark aufheizen und zudem nicht zu stark spiegeln, da sonst die Piloten der am Flughafen Dubai einfliegende Flugzeuge geblendet werden könnten. Hergestellt hat die Fassadenplatten aus Nirosta dann die deutsche ThyssenKrupp in Krefeld. Trotz Gewichtsersparnis durch ein eingeprägtes Strukturmuster haben die Platten alleine ein Gewicht von rund 400 Tonnen. Mit seinen 828 Metern (642 Meter bis zum Dach) überragt der Burj somit das bisher höchste Gebäude der Welt - den Taipei 101 - um 319 Meter und ist genau 2 1/4 Mal so hoch wie der Fernsehturm in Berlin (368 m) oder vier Mal so hoch wie der Millenium Tower in Wien (202 m).  Die feierliche Eröffnung des Burj Khalifa fand gestern Abend mit einem gigantischen Feuerwerk, Lasershow und Wasserfontanen in Beisein des Herrschers des Wüstenstaates, Scheich Mohammed bin Raschid al-Maktum und geschätzten 400.000 Zuschauern statt. Heute wird der Turm offiziell der Öffentlichkeit übergeben. Rund 12.000 Menschen werden künftig im Burj Khalifa leben oder arbeiten. Im Bauwerk befinden sich nicht nur die höchste Aussichtsplattform der Welt, die sich auf dem 124. Stockwerk in 442 Meter Höhe befindet und zu der ein Aufzug die Besucher in nur 60 Sekunden bringen soll, sondern auch das allererste 'Armani-Hotel' der Welt. Das in den Stockwerken eins bis acht und 38 und 39 untergebrachte Hotel mit 160 Zimmern und Suiten wird am 18. März in Beisein des Designers Giorgio Armani feierlich eröffnet und soll nicht das einzige 'Armani-Hotel' bleiben. Der 75-jährige Stardesigner aus Mailand ist auch Hauptmieter des Towers. Zudem sind im Burj natürlich jede Menge Luxuswohnungen - das Höchstgelegene davon im 109. Stock - und Büros untergebracht. Trotz der Wirtschafts- und Finanzkrise in Dubai sollen nach Angaben der Errichtergesellschaft bereits 90% der Büros und Apartments verkauft sein.  Als Gigantomanie (Größenwahn) bezeichnet man das Streben, die Mitmenschen durch demonstrative ins Maßlose und Riesige übersteigerte Leistungen zu übertreffen und dadurch die eigene Macht zu sichern. Dieses Streben fand in der Überlieferung vom Turm zu Babel eine kritische Reflexion und findet nun wohl im Burj-Khalifa eine würdige Fortsetzung: Der ursprünglich als 'Burj-Dubai' angekündigte Bau wurde nämlich erst im letzten Moment nach dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Scheich Khalifa bin Sajid al-Nahjan, umbenannt, denn ohne die Finanzspritze aus den VAE hätte das Emirat Dubai das Bauwerk nicht vollenden können. Kolportierte 25 Milliarden Euro hatten die Vereinigten Arabischen Staaten in den letzten Monaten als Finanzspritze an Dubai überwiesen, nachdem Anfang Dezember die Gläubiger des emirateigenen Fonds 'Dubai World' um Zahlungsaufschub gebeten werden mussten. Diese Tatsache wird von einigen als 'besondere Schmach' für den regierenden Scheich des Emirates gewertet. Dass ausgerechnet Giorgio Armani, der 1985 nach dem Aufkommen der HIV-Epidemie seinen Freund und Geschäftspartner Galeotti, mit dem er gemeinsam 20 Jahre lang sein Modeimperium aufgebaut hatte, an die Krankheit AIDS verloren hatte, nun der Hauptmieter des höchsten Gebäude der Welt sein wird, ist wohl auch nicht ganz im Sinne des homophoben Emirats Dubai.  Bild: ThyssenKrupp Germany |

Kommentare