| Bayrische (?) 'Fratzen' |
| Dienstag, den 03. März 2009 um 01:00 Uhr |
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 Am Mannheimer Nationaltheater wurde jetzt das Drama 'Fratzen' des Münchner Dramatikers Albert Ostermaier uraufgeführt, dass sich sehr kritisch mit der Verlogenheit der Politik auseinandersetzt.  Die Handlung: Der todkranke René ist durch einen Autounfall ums Leben gekommen, in dem bayrischen Provinznest findet das Begräbnis und die Trauerfeier statt. René  war vor seinem Rückzug aus der Politik ein populärer und erfolgreicher Provinzpolitiker einer Splitterpartei. Sofort werden Vermutungen laut, der Unfall könnte vorsätzlich verursacht worden sein, beweisen lässt sich allerdings nichts. Bereits beim Leichenschmaus bei Mutter Ursula (Name natürlich fikiv) kommt es zu erbitterten Grabenkämpfen zwischen den Parteifreunden. Diese sind zynisch und machtgeil bis zur Selbstverleugung. Es geht um Stadionbau, verdeckte Machenschaften, Erniedrigungen von Frauen.  Doch wer war dieser René, der vor seiner politischen Karriere Rainer hieß und als uneheliches Kind im tiefsten Bayern aufwuchs? Der sich in seiner Jugend bis zur Unkenntlichkeit mit seiner Umwelt zu assimilieren versuchte und sich später als Galionsfigur einer 'glaubwürdigen, nicht korrumpierbaren Politik' neu erfand, bis er schließlich das Opfer eines innerparteilichen Machtkampfes und einer infamen Schmutzkampagne wurde?  Als ein Tonband des Verunglückten abgespielt wird, kommt es zum großen Schock: René outet sich in diesem posthum als schwul. Aber nicht nur das: er gesteht auch ein Verhältnis zum damals noch minderjährigen Florian, den er 'tatsächlich liebte'. In dem auf Tonband aufgenommenen Testament bedauert René, niemals zu seiner Homosexualität und seiner großen Liebe gestanden zu sein, sowie dass er seine wahre Herkunft als uneheliches Flüchtlingskind immer leugnete und auch seine schwere Krankheit verbarg. Dieses Testament, das ist den Bonzen klar, könnte nicht nur der Partei schwer schaden, sondern ihnen auch den politischen Job kosten. Handlungsbedarf besteht - und Florian muss es büssen...  Das Stück wird noch bis 19. April im Mannheimer Nationaltheater aufgeführt.  Der Münchner Dramatiker Albert Ostermaier hat Erfahrung mit der Aufarbeitung dramatischer Liebesbeziehungen berühmter Leute. 2008 kam sein Buch "Zephyr" über den Tod der Schauspielerin Marie Trintignant, die von ihrem Liebhaber Berant Cantat erschlagen wurde, heraus. Auch in dem demnächst erscheinenden Buch 'Fratzen / Blaue Spiegel' Ostermaiers gibt es in der zweiten Geschichte eine natürlich rein zufällige Ähnlichkeit: 'Blaue Spiegel' handelt von einem Frauenmörder Jack, der im Gefängnis zu schreiben begonnen hat und nach seiner Haftentlassung der alltagsmüden und sensationslüsternen High-Society als Projektionsfläche verdrängter Wünsche dient.  Fratzen / Blaue Spiegel Albert Ostermaier Verlag Suhrkamp, 150 Seiten, (geplante Erscheinung: 18.05.2009) Preis (A): ca. 8,80 Euro  Bild: Hans Jörg Michel |
