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Donnerstag, den 26. November 2009 um 00:00 Uhr

Deutschland und Schweiz Deutschland, Schweiz: HIV droht in diesen beiden Ländern wieder zur 'Schwulen- und Immigrantenseuche' zu werden.

Deutschland gay Schweiz gay In beiden Ländern leben im Schnitt etwa 0,1% der Gesamtbevölkerung mit dem HIV-Virus, der Anteil an Neuinfektionen ist (mit Ausnahmen) gering. Erschreckend hoch jedoch der Anteil an Neuinfektionen bei Männern, die Sex mit Männern haben: In Deutschland 70%, in der Schweiz von immerhin etwa 40%.

 

Deutschland

 

In Deutschland ist das Robert-Koch-Institut die führende Organisation in der HIV/AIDS Forschung. Das Institut hat rechtzeitig zum Welt-Aids-Tag aktuelle Zahlen veröffentlicht, demnach derzeit in Deutschland etwa 67.000 Menschen mit dem Virus leben. Das bedeutet eine Infektionsrate von unter 0,1% in Bezug auf die Gesamtbevölkerung. Allerdings: Rund 41.400 Personen (fast 62%) sollen sich dabei bei schwulem Sex infiziert haben. Heuer sollen sich nach Angaben des Robert-Koch-Instituts etwa 3.000 Menschen neu infiziert haben, davon 2.650 Männer und davon wiederum geschätzte 72% (rund 1.900) über schwule Kontakte. Etwa 550 Todesfälle im Jahr 2009 werden in Deutschland auf durch AIDS verursachte Krankheiten zurückgeführt.

 

Hochburgen der HIV-Infizierten sind Hamburg mit 0,8%, Berlin mit 0,3% und Bremen mit 0,2% Anteil an der Gesamtbevölkerung. Hochgerechnet bedeutet das, dass in Hamburg bereits ein Drittel der Schwulen, in Berlin immerhin rund 15% mit dem Virus infiziert sind. Ein hoher Anteil ist aber auch in Bremen mit etwa 6,4% gegeben. Absolut gesehen am meisten HIV-infizierte leben in Nordrhein-Westfalen (15.000), in Berlin (11.200) und in Bayern (10.100). Gemessen an der Zahl der neu positiv Getesteten bietet sich ein ähnliches Bild: Hamburg  mit 200 positiven Tests (26.5/100.000 Einw.) und 77 neuen AIDS-Fällen vor Berlin mit 510 positiven Tests (14.9/100.000 Einw.) und 200 neuen AIDS-Fällen sowie Bremen mit 30 positiven Test  (5.5/100.000 Einw.) und 20 neuen AIDS-Fällen. Die Gesamtzahl der an AIDS erkrankten Personen seit Beginn der Epidemie gibt das Institut mit etwa 36.500 Personen an, 28.000 Personen sind seitdem verstorben.

 

Bayern

 

In Bayern leben derzeit rund 10.100 HIV-infizierte Personen (0,1% der Gesamtbevölkerung), etwa 1.500 sind bereits an der Immunschwäche erkrankt. Das Robert-Koch-Institut schätzt die Zahl der infizierten Schwulen mit rund 6.300. Im Jahr 2008 gab es in Bayern etwa 400 neue positive HIV-Tests (3.2/100.000 Einw.), davon geschätzte 74% Schwule. 120 Personen sind 2008 an AIDS neu erkrankt, 65 verstorben. Insgesamt schätzt das Institut die Zahl der an den Folgen einer AIDS-Erkrankung in Bayern verstorbenen Personen auf etwa 3.800.

 

Schweiz

 

Auch in der Schweiz geht das Gesundheitsamt von einem Anteil HIV-infizierter Personen von unter 0,1% an der Gesamtbevölkerung aus. Allerdings spricht man auch dort davon, dass dieser Anteil bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), Migranten, vor allem aus der Region südlich der Sahara (siehe unseren diesbezüglichen Bericht) und intravenös Drogensüchtigen wesentlich höher ist. Das Gesundheitsamt spricht von etwa 10% infizierter Schwuler oder MSM und sogar von 30% der Migranten aus Hochrisikogebieten.

 

Insgesamt wurden in der Schweiz in den letzten 12 Monaten (Stand Sept.2009) 685 Personen positiv getestet. In Zürich wurden bespielsweise in diesem Zeitraum 9.044 Test durchgeführt, 202 davon waren positiv. 180 neue AIDS-Fälle wurden im selben Zeitraum registriert. Im gesamten Jahr 2008 wurden insgesamt 777 positive HIV-Tests gemacht, davon 562 bei Männern. Diese Zahl ist seit 2002 ungefähr gleichbleibend. Im Gegensatz zu Deutschland geht man in der Schweiz jedoch 'nur' von einem Anteil von 39,6% MSM an der Gesamtneuinfektionsrate aus und weniger als die Hälfte der positiven Tests geht auf Schweizer zurück (47,2%). 18,2% kommen aus der Region südlich der Sahara, 12,9% aus dem Rest Europas und 21,7% sind unbekannter Herkunft.

 

Auch die Zahl der (neu) gemeldeten AIDS-Fälle ist mit 191 Fällen relativ gering und ist gegenüber 2007 (194) etwa gleich geblieben (Anm: Im Jahr 2009 waren es bis zum 30. September 139). 61 der gemeldeten Fälle betreffen Männer, die Sex mit Männern haben (2008: 67), von Jänner bis September sogar nur 31 MSMs. Die bei Homosexuellen dabei am häufigsten auftretende Krankheit ist das Kaposi-Sarkom und PCP (eine durch Pneumocystis jirovecii hervorgerufene Lungenentzündung). Am meisten gemeldete AIDS-Fälle gibt es in der Region um Zürich, Genf und Basel.

 

'Insel der Seeligen' in der Schweiz ist der Kanton Appenzell-Innerhoden, wo es keinen einzigen positiven Test und keine AIDS-Erkrankung seit dem Jahr 2000 gab. Allerdings hat dieser Kanton auch nur 15.471 Einwohner. Auch im Kanton Nidwalden (40.287 Einwohner) gab es seit 2000 keine einzige AIDS-Erkrankung (jedoch HIV-Neuinfektionen) und in den Kantonen Obwalden (33.997 Einwohner) und Uri (34.989 Einwohner) sind seit 2000 je nur eine Person (in beiden Fällen eine Frau) an AIDS erkrankt.

 

'Hochburgen' (im gesamten Jahr 2008) waren hingegen die Kantone Genf mit 100 positiven Tests (18.6/100.000 Einw.) und 20 neuen AIDS-Fällen, Zürich mit 219 positiven Tests (15.2/100.000) und 27 neuen AIDS-Fällen (davon 15 MSM), eher überraschend der Kanton Waadt mit 85 positiven Tests (14.2/100.000) und ebenfalls 9 neuen AIDS-Fällen, Basel-Stadt mit 30 positiven Tests (13.4/100.000 Einw.) und 9 neuen AIDS-Fällen, sowie Bern mit 83 positiven Tests (7.2/100.000 Einw.) und 21 neuen AIDS-Fällen.

 

Über die Zahlen aus Österreich berichten wir dir in einem gesonderten Bericht.

 

(Solltest du einen Teil der Berichtsserie über HIV/AIDS in der Welt versäumt haben, kannst du diese in unserer Rubrik Ratgeber hier nachlesen).

 

Bild: gayösterreich.at

 

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