| Papst will weiter diskriminieren dürfen |
| Dienstag, den 02. Februar 2010 um 02:10 Uhr |
|
 In einer Ansprache an britische Bischöfe zur Vorbereitung seines für September 2010 geplanten Besuch von Großbritannien hat sich Josef Ratzinger gegen "ungerechte Einschränkungen für Religionsgemeinschaften" in England ausgesprochen. Einige der bestehenden Gesetze und vor allem das derzeit im britischen Parlament diskutierte neue Gleichbehandlungsgesetz, das auf eine Gleichberechtigung aller Bürger zielt, würde nach Ansicht Ratzingers genau das Gegenteil bewirken. Seiner Ansicht nach würde das geplante Gesetz gegen das Naturrecht, das die Gleichheit aller Menschen begründe und garantiere, verstoßen.  Was dem Papst und dem Vatikan so offenbar gar nicht gefällt ist die Tatsache, dass nach dem geplanten Gesetz künftig auch die katholische Kirche jede Form von Diskriminierung unterlassen müsste. So wäre es künftig der katholischen Kirche auch verboten, Homosexuelle oder Transgender-Personen vom kirchlichen Dienst auszuschließen. Dem geplanten Gesetz nach müsste auch die röm.kath. Kirche wie jeder andere Arbeitgeber auch homosexuelle Anstellungsbewerber gleich behandeln. Bereits seit dem letzen Jahr ist es katholische Adoptionsagenturen verboten, adoptionswillige homosexuelle Paare abzulehnen, was der röm.kath. Kirche ein Dorn im Auge ist. Viele Agenturen stellten daraufhin lieber gleich die Vermittlung ein, bevor sie homosexuellen Paaren ein Kind anvertrauen müssten.  Diese in den Augen aufgeklärter Bürger bestehenden Diskriminierungen sieht der Papst und der Vatikan jedoch anders, nämlich wie oben erwähnt als "ungerechte Einschränkungen". Aus päpstlicher Sicht seien das keine Diskriminierungen, sondern würden "der Freiheit dienen, weil sie die Wahrheit anbiete."  Diese "vatikanische Wahrheit" wird in Großbritannien jedoch nicht als solche, sondern eher als unzulässige Einmischung in die inneren Angelegenheiten des britischen Staates gesehen und stößt daher auf heftige Kritik: Politiker nahezu aller Fraktionen und vor allem auch die Medien - selbst die als konservativ geltenden - verwehren sich gegen derartige Aussagen des Oberhauptes eines Staates, das "in Bezug auf Gleichstellung und Anti-Diskriminierung gerade erst einmal im Mittelalter angekommen scheint." So gibt es beispielsweise bis heute im Vatikanstaat kein Frauenwahlrecht, dafür ist das Schutzalter mit 12 Jahren das niedrigste in Europa.  Als Erste auf die Aussagen des deutschen Papstes reagiert haben die Sozialisten im Europaparlament. Sie haben den Vatikan zur Einhaltung der EU-Gleichstellungs- und Antidiskriminierungsgesetze gemahnt: "Auch religiöse Führer sollten Ungleichheiten abbauen helfen und nicht für ihr Fortbestehen eintreten", meinte der britische Labour-Europaabgeordnete stellvertretende Fraktionsvorsitzende Stephen Hughes und fügte hinzu, dass Ungleichheiten die Wurzel für viele soziale Probleme seien. Statt Großbritannien wegen seiner Antidiskriminierungs-Reformpläne zu kritisieren, solle der Vatikan lieber selbst das geltende EU-Recht anwenden.  Allerdings haben auch bereits britische Homosexuellengruppen einen "heißen Empfang für den Papst im Herbst" angekündigt. Dabei sollte der erste Besuch eines Papstes auf den britischen Inseln seit fast 30 Jahren ein ganz besonderes Ereignis werden. Immerhin ist es erst der zweite Besuch eines Papstes in England seit der Abspaltung der anglikanischen von der römisch-katholischen Kirche im 16. Jahrhundert.  Bild: papst benedikt XVI |

Kommentare