| Missbrauch in deutscher Kirche 'offiziell' |
| Dienstag, den 02. Februar 2010 um 00:10 Uhr |
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 Nun hat neben der irischen Kirche (wir berichteten hier) auch die Deutsche einen beispiellosen Missbrauchs- und Vertuschungsskandal: Mindestens 20 Knaben sollen in den Eliteschulen des deutschen Jesuitenordens - vor allem im Berliner Canisius-Kolleg und der Hamburger Sankt-Ansgar Schule - zumindest in den 70er- und frühen 80er-Jahren von zumindest zwei Patres unter 'pseudopädagogischen Vorwänden' missbraucht worden sein. Obwohl der Missbrauch bereits Anfang der 90er-Jahre innerhalb des Ordens bekannt geworden war, reagierte die katholische Kirche und der Vatikan nur mit einer Versetzung des (oder der) Täters. Aufgeflogen ist dieser Skandal nun durch einen Brief eines der Täter, der sich bei einigen der Opfer schriftlich entschuldigt hatte. Der zwischenzeitlich 65-jährige Ex-Pater - er trat nach dem internen Bekanntwerden der Missbrauchsfälle aus dem Orden aus - lebt derzeit in Chile.  Der Provinzial des deutschen Jesuitenordens, Pater Stefan Dartmann, erklärte in einer Presseaussendung, dass er "zusammen mit dem Rektor des Kollegs, Pater Klaus Mertes, die Trauer und Scham über die Verbrechen der ehemaligen Mitbrüder teile" und hat "volle Aufklärung" zugesichert. Er gestand auch ein, dass Pater Klaus Mertes bereits Ende 2006 über einige der Vorfälle informiert war. Allerdings hätten damals nach Angaben Dartmanns die Opfer um "absolute Diskretion" gebeten. Nachdem in den letzten Tagen jedoch einige der mutmaßlichen Opfer mit ihren Erlebnissen an die Öffentlichkeit getreten waren, ließ sich der Skandal nicht mehr verheimlichen. Der deutsche Jesuitenorden hat daher den Verein zur Förderung von Präventions- und Interventionsprojekten gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen - 'Innocence in Danger' mit umfrangreichen Untersuchungen über die Missbrauchsfälle beauftragt. Dabei gehe es um die Klärung der Fragen, welches Wissen es damals um die Vorfälle am Canisius-Kolleg bei den Verantwortlichen der Schule und des Ordens gegeben hat, beziehungsweise welche Konsequenzen man damals im Bezug auf die Täter gezogen oder eben nicht gezogen hat. Pater Dartmann will natürlich dem Ergebnis der Untersuchung nicht vorgreifen, erwartet die ersten Ergebnisse jedoch bereits Mitte Februar.  Dabei geht es längst nicht mehr nur um die Fälle im Berliner Canisius-Kolleg: Auch in den deutschen Jesuiten-Schulen in Göttingen, Hamburg, Hildesheim und St. Blasien, sowie aus Chile und Spanien sollen Schüler missbraucht worden sein, wie Pater Dartmann gestern eingestehen musste. Zwischenzeitlich ermitteln bereits die deutsche Polizei und die Staatsanwaltschaft. Aufgrund der jahrzehntelangen Vertuschung des Ordens und des Vatikans - der ebenfalls informiert gewesen sein soll - sind etliche Fälle jedoch bereits verjährt. Zwei der mutmaßlichen Täter, die in den 70er- und 80er-Jahren Knaben in den Jesuitenschulen missbraucht haben sollen, sind derzeit bereits über 65 Jahre alt.  Wie der Leiter des Canisius-Kollegs gegenüber dem deutschen Tagesspiegel erklärte, leide die Kirche an Homophobie. Homosexualität werde verschwiegen und Kleriker mit dieser Neigung wären unsicher, ob sie bei einem ehrlichen Umgang mit ihrer Sexualität noch akzeptiert würden. Auch der Direktor des St. Blasius-Kollegs sprach von einer "Kultur des Wegschauens und Nicht-Wissen-Wollens."  Der Jesuitenorden ist der größte katholische Orden, er untersteht der katholischen Kirche und somit dem Vatikan. Der Sitz des deutschen Jesuitenordens ist in München.  Bild: innocence in danger / fotomontage |

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