| Geboren mit HIV |
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| Samstag, den 24. Juli 2010 um 00:10 Uhr |
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 Das nächste einschneidende Erlebnis hatte Benjamin, als in der Schule das Gerücht aufkam, er hätte AIDS. Verzweifelt wandte er sich an seine Pflegemutter, wie er darauf reagieren solle. Diese konnte ihm jedoch keinen Rat geben, außer, dass er das für sich selber entscheiden müsse. Am nächsten Tag stellte sich Benjamin in den Pausenhof und brüllte vor allen Schülern: "Ja, ich bin HIV-positiv!" Seit damals waren - wohl weil keiner tatsächlich glauben konnte, dass sich ein tatsächlich Positiver so offen dazu bekennt - die Gerüchte verstummt. Ein Jahr später glaubte Benjamin den richtigen Zeitpunkt für gekommen, es seinen besten Freunden zu erzählen. Obwohl er diese bereits seit Jahren kannte, wollte daraufhin keiner mehr etwas von ihm wissen: "Für mich ist eine Welt zusammengebrochen", meint Benjamin. "All jene Freunde, mit denen ich bereits im Sandkasten gespielt hatte, mit denen ich aus den selben Gläsern getrunken hatte, mit denen ich gemeinsam geraucht hatte... alle kehrten mir den Rücken zu".  Damals empfahl ein Arzt Benjamin die Schweizerische Stiftung 'Aids & Kind' des Fotografen Linus G. Jauslin. In dieser Gruppe sind etwa 12 bis 15 Kinder, die ebenfalls von Geburt an HIV-positiv sind. Diese Gruppe gab Benjamin neue Kraft: "Du bist positiv, also denke positiv", war sein neues Motto. Er lernte dort auch, den Hass auf seine leibliche Mutter in Liebe umzuwandeln: "Immerhin hatte sie ein sehr schweres Leben, und es war eine tolle Leistung von ihr, dass sie mich auf die Welt gebracht hat", sagt er heute. Â
 Letzten Dezember lernte er auch seine derzeitige Freundin kennen und lieben. Auf die Frage, wie seine Freundinnen auf die Nachricht seiner HIV-Infektion reagiert haben, antwortet Benjamin ohne zu Zögern: "Keine Frau hat mich bisher aus diesem Grund stehen gelassen." Eines gibt ihm jedoch zu denken: Er habe immer die Frage gestellt, was diese für schlimmer hielten: HIV oder Hepatitis A. "Alle", so Benjamin, hätten "die falsche Antwort (Anm: HIV) gegeben." Das zeige ihm, dass auch heute die meisten Menschen mit dem Thema noch nicht wirklich umgehen können, beziehungsweise nicht wirklich darüber Bescheid wissen. Denn durch die konsequente Einnahme der Medikamente ist das Virus derzeit nicht in Benjamins Körper nachweisbar, er somit auch nicht ansteckend. Auf die Frage, ob er dennoch immer mit Kondom verkehre, gibt Benjamin unumwunden zu: "Nein, nicht immer," meint er und verweist auf die Lehrmeinung führender AIDS-Spezialisten aus der Schweiz. Diese hatten letztes Jahr mit ihrer Theorie für gewaltige Aufregung gesorgt: HIV-Positive, bei denen das Virus aufgrund der Medikamente im Körper nicht mehr nachweisbar sei, könnten auch auf das Kondom verzichten. (Anm: Auch wenn zwischenzeitlich etliche Wissenschaftler diese Meinung vertreten, auf ein Kondom zur absoluten Sicherheit sollte man trotzdem nie verzichten!)  Für ihn habe sich das Leben trotzdem vereinfacht: Musste er früher täglich zwischen 12 und 14 Medikamente nehmen, genügen heute bereits fünf. Trotzdem würde Benjamin natürlich gerne auf alle Medikamente verzichten. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", meint er auf die Frage, ob es einmal eine Heilung geben werde, "aber ich werde das nicht erleben." Er denkt heute, dass er - solange er seine Medikamente regelmäßig einnimmt - zwischen 40 und 50 Jahre alt werden könnte. Und er nimmt die Medikamente, aber "ich heile mich auch selbst, vom Herzen aus". Zudem hätte sich die Akzeptanz gegenüber HIV-Positiven in der Gesellschaft heute wesentlich verbessert. Benjamin hat heute kein Problem mehr, offen zu seiner Infektion zu stehen: "Ich wünsche mir kein anderes Leben, mich gibt es eben nur mit HIV", meint er. In den meisten Fällen wird diese Tatsache auch heute bereits von allen wertfrei aufgenommen, und Benjamin hat längst andere Freunde gefunden als die, die ihm damals den Rücken kehrten.  Auf die Frage nach einem Rat für jemand, der heute einen positiven HIV-Test erhält, meint er: "Das Leben geht weiter. Man muss das Leben lieben. Man muss einfach bereit sein, auch mit der Infektion zu leben und darf sich nicht fallen lassen. Allerdings muss man auch konsequent die Medikamente nehmen." Lies dazu auch unser mit Univ.Prof. Dr. Rieger von der Universitätsklinik im Allgemeinen Krankenhaus geführtes Gespräch hier.  Wir danken Benjamin für das Gespräch und wünschen ihm viel Erfolg in seiner Lehre und weitere 50 Jahre erfülltes Leben.  Bilder: gayösterreich.at |





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