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gayösterreich.at lokaltipp: Wiens wohl schönstes und wohl auch schwulstes Caféhaus.
 Manche Feiern laut - andere arbeiten im Hintergrund: Aus dem Café Savoy wurde still und fast unbemerkt Wiens wohl schönstes Caféhaus. Alles wurde renoviert und erstrahlt jetzt schöner als es wohl damals zur Bauzeit jemals war.

Das Café Savoy an der Linken Wienzeile hat bereits lange Tradition. Das Haus, 1896-97 von Architekt Franz, Ritter von Neumann, einem Schüler der schwulen Architekten v. Siccardsburg und van der Nüll im prächtigen Neorenaissancestil für den Textilfabrikanten Leon von Wernburg erbaut, beherbergte lange Zeit als 'Café Wienzeile' ein Animierlokal für leichte Mädchen. Das Ecklokal zählte immer schon zu Wiens schönsten Kaffeehäusern, daran hat auch der in letzter Zeit etwas abgenutzte, fast schäbige Charakter nichts geändert. Herbst 2008 wurde nun mit der Renovierung begonnen und mit viel Arbeit und Einsatz alles wieder in den Originalzustand zurückversetzt. Mehr noch: es ist in liebevoller Detailarbeit jetzt wohl schöner als es bei der Ersteröffnung jemals gewesen ist. Vieles sieht man nicht, beispielsweise die großen Kellerräumlichkeiten, die jetzt statt durch eine schmale Wendeltreppe mittels hochmodernem Aufzug erreichbar sind. Auch die Küche, die jetzt am modernsten Stand der Technik ist, wird wohl kaum ein Gast zu Gesicht bekommen, wenn er die leckeren kleinen Gerichte, die auf der Speisekarte stehen, genießt. Aber selbst dass, was sich dem Gast bereits beim Betreten des Lokals offenbart, wird wohl jeden - Einheimischen wie Touristen - in Ehrfurcht erstaunen lassen. Für die Decken- und Wandmalereien in den etwa sechseinhalb Meter hohen Räumlickeiten zeichnet beispielsweise ein über 70-jähriger Kirchenmaler - ein wohl aussterbender Beruf - verantwortlich, der mit den Malereien und Stukkaturen mehr als ein Monat beschäftigt war. Selbstverständlich wurden alle Sitzgarnituren erneuert und mit feinstem Leder überzogen. Der schwere, alte Luster an der Decke stammt von Theophil, Freiherr von Hansen und hing vorher in einem Wiener Ringstraßenpalais. Natürlich wurde er zwischenzeitlich von Gas auf elektrische Lampen umgestellt. Blickfang sind jedoch immer noch die beiden riesigen Spiegel, von denen behauptet wird, sie seien die größten aus einem Stück hergestellten Spiegel Europas.
Die Liebe zum Detail merkt man überall. Selbst auf den stilvoll ausgestatteten, jetzt hochmodernen WC-Anlagen sind kleine Statuen montiert.  Viele andere Details merkt man jedoch selbst als Stammgast nicht gleich, beispielsweise den komplett neuen Windfang, der originalgetreu nachgebaut wurde und den Eindruck vermittelt, dass der 'eh schon immer da war'. Oder die riesigen Fenster: auch schon immer 'da gewesen'. Dass auch diese jedoch vollkommen neu und jetzt mit Isolierglasscheiben versehen sind, merkt man auch hier wohl erst, wenn man an kalten Tagen seinen Sitzplatz neben der Scheibe wählt. Die neue Lüftung verrichtet fast geräusch- und vollkommen zuglos ihren Dienst genauso im Hintergrund wie die neue Heizung für kalte Tage.
 Selten, dass wir selbst bei intensiven Suchen nichts Negatives zu berichten fanden. Ein dickes Lob an die Geschäftsführung - das Café Savoy ist jetzt wohl national wie international ohne Zweifel DAS Aushängeschild der Wiener Szene. Und ein Glück für Wien, dass die neue Geschäftsführung soviel Liebe zum Lokal entwickelte und vor allem soviel Geld - über das man natürlich nicht spricht - investiert wurde. Entgegen anderer Gerüchten steht das Lokal nämlich nicht unter Denkmalschutz. Es hätte daher durchaus passieren können, dass man einfach 'alles rausgerissen' hätte und ein 'modernes Lokal' entstehen hätte lassen. Dann wäre Wien ohne Zweifel um eine ganz besondere Attraktion ärmer geworden.
Bilder: gayösterreich.at |